Der Traum von völliger Unabhängigkeit
Gerade in diesem Sommer haben wir bei Mobilson wieder erlebt, dass einige Kunden mit einem anderen Verständnis von „autark campen“ zu uns gekommen sind. Die Vorstellung klingt natürlich verlockend: Wohnmobil übernehmen, an einen schönen Ort fahren und dort mehrere Tage bleiben – ohne Campingplatz, ohne Stromanschluss und ohne sich Gedanken über die Versorgung machen zu müssen.
Teilweise besteht die Erwartung, dass Kühlschrank, Licht, Wasserpumpe und andere elektrische Verbraucher über mehrere Tage ganz normal genutzt werden können, während das Wohnmobil irgendwo frei oder auf einem einfachen Stellplatz steht. Externer Strom, Frischwasser oder eine Ver- und Entsorgungsstation sollen dabei möglichst gar nicht benötigt werden.
Ein modernes Wohnmobil vermittelt schließlich auf den ersten Blick genau dieses Gefühl: Küche, Kühlschrank, Dusche, Toilette, Heizung, Licht und eine eigene Batterie sind bereits an Bord. Trotzdem sind all diese Systeme auf begrenzte Vorräte und Speicherkapazitäten angewiesen.
Autark bedeutet nicht unbegrenzt unabhängig
Genau hier möchten wir für etwas Klarheit sorgen. Ein Wohnmobil bietet euch unglaublich viel Freiheit und ermöglicht es durchaus, für eine gewisse Zeit unabhängig von einem Campingplatz zu stehen.
Aber: „Autark“ bedeutet bei einem normalen Mietwohnmobil nicht „unbegrenzt unabhängig“.
Man kann ein Wohnmobil eher mit einem kleinen mobilen Haushalt vergleichen. Statt Strom, Wasser und andere Ressourcen permanent aus einem Versorgungsnetz zu beziehen, führt man einen begrenzten Vorrat davon mit sich.
Und irgendwann ist die Batterie leer, der Frischwassertank muss aufgefüllt, der Grauwassertank geleert oder die Toilettenkassette entsorgt werden.
Wie lange ihr tatsächlich unabhängig stehen könnt, hängt deshalb stark von eurem persönlichen Verbrauch, der Anzahl der Reisenden, den Außentemperaturen und natürlich vom jeweiligen Wohnmobil und seiner Ausstattung ab.
Die Wohnraumbatterie – häufig der entscheidende Faktor
Unsere Wohnmobile verfügen über eine zusätzliche Wohnraumbatterie, die elektrische Verbraucher versorgt, wenn das Fahrzeug nicht an Landstrom angeschlossen ist. Je nach Fahrzeug sind zusätzlich kleinere Solarpaneele auf dem Dach verbaut.
Das bedeutet allerdings nicht, dass unbegrenzt Strom zur Verfügung steht.
Bei hoher Auslastung kann die zusätzliche Batterie erfahrungsgemäß bereits nach etwa fünf bis sieben Stunden erschöpft sein. Die tatsächliche Laufzeit ist immer von mehreren Faktoren abhängig – beispielsweise davon, wie vollständig die Batterie zu Beginn geladen war, welches Fahrzeug genutzt wird und welche Verbraucher gleichzeitig laufen.
Besonders im Sommer spielt der Kühlschrank eine wichtige Rolle. Bei hohen Außentemperaturen muss dieser entsprechend stärker arbeiten, um die gewünschte Temperatur zu halten. Wird er zusätzlich auf einer hohen Kühlstufe betrieben, steigt der Energiebedarf entsprechend.
Unser Tipp lautet deshalb: Nicht benötigte Stromverbraucher ausschalten und den Kühlschrank gerade bei hohen Außentemperaturen möglichst nicht unnötig auf maximaler Stufe betreiben.
Auch die vorhandenen Solarpaneele sollte man realistisch betrachten. Sie können – je nach Fahrzeug, Wetter und Sonneneinstrahlung – dabei helfen, einen Teil der verbrauchten Energie nachzuladen und die mögliche Standzeit zu verlängern. Die vergleichsweise kleinen Anlagen auf dem Dach können jedoch keinen dauerhaften Landstromanschluss ersetzen.
Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der häufig unterschätzt wird: Eine leere Wohnraumbatterie ist nicht nach einer kurzen Fahrt wieder vollständig geladen.
Soll die Batterie ausschließlich über das Fahren wieder aufgeladen werden, kann dies – je nach Fahrzeug und Ausgangszustand – rund zehn Stunden Fahrzeit in Anspruch nehmen. Eine Stunde zum nächsten Ausflugsziel zu fahren, bedeutet also nicht automatisch, dass anschließend wieder eine vollständig geladene Wohnraumbatterie zur Verfügung steht.
Wer mehrere Tage an einem Ort verbringen möchte und gleichzeitig einen normalen Stromverbrauch hat, sollte deshalb einen externen Stromanschluss fest in seine Reiseplanung einbeziehen.
Strom ist nur ein Teil der Autarkie
Selbst wenn die Stromversorgung kein Problem wäre, gäbe es noch weitere Grenzen. Denn wirklich autarkes Camping würde bedeuten, auch bei Wasser, Abwasser und Toilette dauerhaft unabhängig zu sein.
Der Frischwassertank hat jedoch nur ein begrenztes Volumen. Duschen, Händewaschen, Kochen, Zähneputzen und Abwaschen verbrauchen schnell mehr Wasser, als man zunächst vermutet.
Gleichzeitig landet das verwendete Wasser im Grauwassertank. Ist dieser voll, muss er an einer geeigneten Stelle entleert werden. Gleiches gilt für die Toilettenkassette. Auch sie besitzt nur eine begrenzte Kapazität und muss regelmäßig an einer dafür vorgesehenen Station entsorgt werden.
Gerade bei mehreren Personen können diese Grenzen wesentlich schneller erreicht werden.
Deshalb ist uns wichtig, bereits vor der Reise realistische Erwartungen zu schaffen: Wer ein Wohnmobil bei Mobilson mietet, sollte bei längeren Standzeiten immer Möglichkeiten für Landstrom, Frischwasser sowie die fachgerechte Entsorgung von Grauwasser und Toilette in seine Reiseplanung einbeziehen.
Gute Planung bedeutet mehr Freiheit – nicht weniger
Das alles bedeutet keineswegs, dass ihr auf die Freiheit eines Wohnmobilurlaubs verzichten müsst. Im Gegenteil.
Wer weiß, wo die Grenzen der eigenen Versorgung liegen, kann seine Reise wesentlich entspannter planen. Statt darauf zu hoffen, dass Batterie, Wasser und Toilette noch einen weiteren Tag durchhalten, könnt ihr passende Zwischenstopps von Anfang an in eure Route integrieren.
Sehr hilfreich ist dabei beispielsweise park4night. Mit der App könnt ihr unterwegs nach Stellplätzen, Campingplätzen sowie Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten suchen und euch anhand der Erfahrungen anderer Reisender einen ersten Eindruck verschaffen.
Wir haben park4night deshalb auch bereits ausführlicher in unserem Mobilson-Blog vorgestellt:
So könnt ihr beispielsweise zwei Nächte etwas unabhängiger stehen und anschließend gezielt einen Platz mit Stromanschluss und Ver- und Entsorgung anfahren. Danach geht es frisch versorgt weiter zum nächsten Ziel.
Genau das ist für uns die eigentliche Freiheit beim Reisen mit dem Wohnmobil: nicht zwangsläufig tagelang an einem einzigen Ort vollkommen unabhängig zu stehen, sondern jederzeit weiterfahren und die eigene Route flexibel gestalten zu können.
Mit ein wenig Planung müsst ihr euch unterwegs deutlich weniger Gedanken um Batteriestand, Frischwasser oder eine volle Toilettenkassette machen – und habt dafür mehr Zeit für das, worum es beim Wohnmobilurlaub eigentlich geht: unterwegs sein, neue Orte entdecken und die Freiheit genießen.